Ein besonderer Übergang deiner Reiki-Reise – Reiju
Tag 30 ist die erste klare Weichenstellung. Wenn du eine offizielle Reiki-I-Einweihung durch einen Reiki-Lehrer empfängst oder anstrebst, folgst du dem klassischen Reiki-Weg. Wenn du ohne offizielle Einweihung weiterüben möchtest, gehst du bewusst den Parallelweg: ehrlich, achtsam und ohne Anspruch auf einen traditionellen Reiki-Grad.
Mit Tag 30 beginnt ein neuer Abschnitt des Reiki-Weges. Die Einweihung, im japanischen Zusammenhang oft als Reiju bezeichnet, gilt als der Moment, in dem der Energiekanal des Schülers dauerhaft für Reiki geöffnet und ausgerichtet wird. In der Tradition ist dies ein heiliger Augenblick, nicht weil er spektakulär sein muss, sondern weil sich hier die Qualität der Praxis ändert.
Reiki wird nicht nur durch Lesen, Verstehen oder Wollen weitergegeben. Die Einweihung gehört zum Kern des Systems. Traditionell wird sie als Weitergabe von Meister zu Schüler verstanden, in einer Linie, die auf Mikao Usui zurückgeführt wird. Das Wesentliche ist dabei weniger die äußere Form als die innere Funktion: Der Schüler wird so ausgerichtet, dass Reiki künftig bewusst durch seine Hände fließen kann.
Es ist wichtig, diesen Moment weder zu banalisieren noch unnötig zu mystifizieren. Die Einweihung ist kein Show-Effekt und keine Garantie für dramatische Erlebnisse. Manche spüren Wärme, Licht, Kribbeln oder eine tiefe Ruhe. Andere erleben wenig Auffälliges. Beides ist in Ordnung. Die Wirkung hängt nicht davon ab, ob du etwas Spektakuläres berichten kannst.
Kronenchakra, Herzchakra und Handchakren gelten dabei als besonders beteiligte Zentren. Das passt gut zum Reiki-Verständnis: Verbindung nach oben, Sammlung im Herzen und Öffnung für die Weitergabe durch die Hände. Dadurch wird die bisherige Vorbereitung der ersten 14 Tage nicht ersetzt, sondern fruchtbar gemacht. Atem, Stille, Erdung, Handwahrnehmung und innere Haltung bekommen nun eine neue Tiefe.
Die Reiki-Tradition erzählt, dass Usui die ursprüngliche Öffnung in seinem Erleuchtungserlebnis auf dem Berg Kurama empfing und daraus eine weitergebbare Form entwickelte. Später wurde diese Weitergabe in unterschiedlichen Schulen verschieden gestaltet. Das ist kein Widerspruch. Entscheidend ist, dass die Einweihung im Reiki nicht bloß symbolisch gemeint ist, sondern als reale Öffnung und Ausrichtung verstanden wird.
Nach der Einweihung beginnt nicht das Ende der Arbeit, sondern ihr eigentlicher Anfang. Viele berichten, dass die Hände unmittelbarer reagieren, dass Wärme schneller auftritt oder dass die Selbst-Reiki tiefer wirkt. Zugleich beginnt eine Phase der Reinigung. Körper, Gefühle, Gedanken und innere Muster können sich neu ordnen. Darum folgt auf die Einweihung ausdrücklich die 21-tägige Reinigungszeit.
Wenn du ab jetzt mit Reiki arbeitest, kann das Kraftsymbol Choku Rei eine erste Rolle bekommen, sofern es dir in deiner Ausbildung bereits erklärt wurde. Seine Funktion liegt darin, Energie hier und jetzt zu bündeln, den Fluss zu verstärken und ein Feld zu klären. Gerade nach der Einweihung kann der bewusste Gedanke an Sammlung und Verdichtung hilfreich sein. Doch auch hier gilt: nicht forcieren. Erst sauber spüren, dann bewusst anwenden.
Der wichtigste Punkt an Tag 30 ist nicht, etwas Besonderes zu leisten. Es geht darum, empfänglich zu sein. Viel Wasser, leichte Nahrung, Ruhe und eine schlichte innere Bereitschaft sind oft die beste Begleitung. Die Einweihung ist kein Wettbewerb und keine Prüfung deines Talents. Sie ist eine Öffnung, die du nicht erzwingen musst.
Ein alter Reikimeister würde dir vielleicht nur einen einfachen Satz mitgeben: Mach dich still, werde durchlässig und vertraue. Das genügt. Denn an diesem Tag geschieht das Wesentliche nicht durch Anstrengung, sondern durch Erlaubnis.